FAQ

Fragen von schwerbehinderten Arbeitnehmern

1) Was muß ich tun, wenn mich mein Arbeitgeber kündigen will?
Wenn Sie über eine geplante Kündigung informiert werden, müssen Sie sich schnellstmöglich (innerhalb von 7 Tagen) persönlich bei Ihrer zuständigen Agentur für Arbeit arbeitssuchend melden. Hierfür wird Ihr Personalausweis benötig. Bei verspäteter Meldung droht Ihnen eine Kürzung des Arbeitslosengeldes. Für schwerbehinderte und ihnen gleichgestellte Personen benötigt der Arbeitgeber für die Kündigung die Zustimmung des Integrationsamtes (Kündigungsschutz), wenn das Arbeitsverhältnis länger als 6 Monate besteht. Sie müssen mit der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz aktiv beginnen, wenn das Ende Ihres Arbeitsverhältnisses absehbar ist. Wenn Sie während ihrer Arbeitslosigkeit umziehen, müssen Sie sich innerhalb von 5 Tagen bei Ihrer neuen zuständigen Agentur für Arbeit melden.

Beispiel:
Frau Sorglos hat seit 2 Wochen eine Kündigung, mit einer Kündigungszeit von 4 Wochen. In der nächsten Woche will sie sich bei der Agentur für Arbeit melden.

Das ist falsch!
Wenn sich Frau Sorglos später als 2 Wochen nach dem Erhalt der Kündigung bei der Agentur für Arbeit meldet, dann wird das monatliche Arbeitslosengeld gekürzt. Bis zu 50 Euro können ihr jeden Monat vom Arbeitslosengeld abgezogen werden.

(2) Wenn ich merke, dass meine Belastbarkeit und mein Leistungsvermögen bei der Arbeit nachläßt, an wen kann ich mich wenden?
Sie können sich an uns wenden. Wie suchen gemeinsam mit Ihnen nach den Ursachen und Unterstützungsmöglichkeiten für die Erhaltung Ihres Arbeitsplatzes oder nach einer neuen beruflichen Orientierung.

(3) Wenn ich einen neuen Arbeitsplatz suche, an wen kann ich mich wenden?
Sie können sich an uns wenden. Wir ermitteln Ihre beruflichen Fähigkeiten, unterstützen Sie bei der Erstellung aussagekräftiger Bewerbungsunterlagen und begleiten Sie bei Bedarf zu Vorstellungsgesprächen.

Fragen von Arbeitgebern

(1) Kann ich einen schwerbehinderten Arbeitnehmer kündigen?
JA. Sie können auch einen schwerbehinderten und diesem gleichgestellten Arbeitnehmer kündigen. Wenn das Arbeitsverhältnis länger als 6 Monate besteht, ist jedoch die Zustimmung des Integrationsamtes erforderlich. Das gilt für ordentliche und außerordentliche Kündigungen. Nach Antragstellung ermittelt das Integrationsamt den Sachverhalt. In 20% der Fälle wird eine Einigung gefunden, welche die Kündigung verhindert. In 80% der Fälle stimmt das Integrationsamt der Kündigung zu. Wenn die Zustimmung durch das Integrationsamt vorliegt, beginnt die gesetzliche Kündigungsfrist. Eine Kündigung kann nach Zustimmung des Integrationsamtes innerhalb von 1 Monat ausgesprochen werden.
Die Zustimmung des Integrationsamtes ist nicht erforderlich bei einvernehmlicher Beendigung / Aufhebungsvertrag, bei einem befristetem Arbeitsverhältnis, bei der Kündigung durch den schwerbehinderten Arbeitnehmer, sowie wenn das Arbeitsverhältnis weniger als 6 Monate besteht.
Sie sind als Arbeitgeber verpflichtet, Ihre Arbeitnehmer bei einer geplanten Kündigung über die Meldung bei der Agentur für Arbeit zu informieren. Weiterhin müssen Sie den betroffenen Arbeitnehmer für diese Meldung, für Qualifizierungsmaßnahmen und für die Suche nach neuem Arbeitsplatz von der Arbeit freistellen. Die Erstellung eines qualitativen Arbeitszeugnisses ist selbstverständlich.

(2) Das Leistungsvermögen eines schwerbehinderten Arbeitnehmers lässt nach. Was ist zu tun?
Sie können beim Integrationsamt einen Antrag auf Ausgleich von Minderleistung oder personeller Unterstützung stellen. Zur Bearbeitung Ihres Antrages führt das Integrationsamt, ggf. in Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst, einen Betriebsbesuch durch, um die Situation und den Unterstützungsbedarf zu ermitteln.

Warum ist der Einsatz eines GSD erforderlich?

Bei Befragungen, Vermittlungsgesprächen u.ä. mit gehörlosen Personen ist das Hinzuziehen eines Gebärdensprachendolmetschers unerlässlich. Sehen Sie bitte davon ab, bei mehreren Beteiligten, die eventuell besser Hörenden (Schwerhörige) zu veranlassen, für die Anderen zu dolmetschen. Diese Personen sind nicht für diese Aufgabe ausgebildet und die notwendige Neutralität ist durch die eigene Beteiligung nicht gewährleistet. Auch eine von ihnen rein schriftlich geführte Konversation ist problematisch und nicht empfehlenswert. Die deutsche Lautsprache, auch in schriftlicher Form, ist für deutsche Gehörlose eine Fremdsprache, die nur in Ausnahmefällen vollständig beherrscht wird. Dies gilt besonders für Erklärungen und Belehrungen, die als Formblatt vorliegen und ggf. von den Gehörlosen unterschrieben werden müssen.

Beachten Sie bitte, dass DolmetscherInnen zur Neutralität verpflichtet sind. Ihre Aufgabe ist die reine Sprachvermittlung. Sie sind weder Helfer der Gehörlosen, noch Helfer der Beamten. Vorgefasste Texte (z.B. Belehrungen) werden vom Blatt übersetzt, jedoch nicht erklärt. Aussagen der Gehörlosen werden unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt oder der Relevanz für die jeweilige Sachlage in die deutsche Lautsprache übersetzt. Bitte denken Sie daran, dass es Gehörlosen nur beim Einsatz von GebärdensprachdolmetscherInnen möglich ist, ihre Rechte wahrzunehmen und ihren Pflichten als BürgerInnen nachzukommen. Die Bestellung qualifizierter Dolmetscher trägt zu einer schnellen und korrekten Klärung der Sachlage bei und hilft, unnötige durch Fehlkommunikation entstandene Verzögerungen und Missverständnisse zu vermeiden. Dieses dürfte bestimmt auch in ihrem Sinne sein.

Umgang mit Gehörlosen

  1. Sieh den Hörgeschädigten an, solange du mit ihm sprichst und halte den Kopf still. Halte dein Gesicht dem Licht zugekehrt, damit er dein Mundbild sehen kann. Tritt nicht zu dicht heran; zwischen 1 m und 6 m Entfernung kann er gut absehen.
  1. Sprich langsam und in gleichmäßigem Tempo.
  1. Sprich deutlich und gut akzentuiert, aber nicht übertrieben.
  1. Nimm beim Sprechen die Zigarette o.ä. aus dem Mund. Auch ein voller und kauender Mund ist unablesbar. Stütze auch beim Sprechen dein Kinn nicht auf.
  1. Bist du beim Lesen, nimm vorher das Buch oder die Zeitung herunter. Hebe den Kopf richtig hoch, sonst verdeckt die Nase den Mund.
  1. Bei wichtigen Abmachungen vergewissere dich, ob der Schwerhörige oder der Gehörlose richtig verstanden hat. Wiederhole stets gern und geduldig. Sonst sagt er „ja“, auch wenn er nicht verstanden hat. Du selbst hast unter Umständen den Schaden davon.
  1. Baue deine Sätze knapp und bildhaft auf.
  1. Lass einen Hörgeschädigten in Gesellschaft nicht einsam stehen. Sprich auch mit den übrigen Gesprächspartnern ebenso langsam, sonst entgeht dem Hörgeschädigten der "rote Faden". Auch ein Notizblock hilft notfalls. Sonst kann es passieren, dass der Hörgeschädigte das Gespräch mit Themen unterbricht, die im Augenblick nicht passen oder er nimmt ein schon beendetes Thema neu auf. Bitte bewahrt ihn vor solch peinlichen Situationen.
  1. Denke im Umgang mit Hörgeschädigten daran: zwischen geistigem und akustischem Nichtverstehen besteht ein Unterschied. Wer etwas nicht gehört hat ist deshalb nicht "dumm".

Wann wird ein GSD benötigt?

Bei:

  • Polizeiliche Vernehmungen
  • Politische Veranstaltungen
  • Kirchentage
  • Studium
  • Festgalas
  • Notariell beurkundete Verträge
  • Kongresse, Tagungen
  • Geltungsbereich des Zeugen- und Sachverständigengesetzes
  • Asylverfahren
  • Beratung bei Behörden (AA, Sozialamt, usw.)
  • Versicherungsberatung
  • Volkshochschulkurse
  • Reisebüro/Reiseführung
  • Konto-Eröffnung
  • Autokauf
  • Mieter-, Vermieterberatung
  • Bildungsmaßnahmen (FB/Umschulung/WB)
  • medizinischer Bereich
  • Gespräche Rechtsanwalt/Notar
  • Fahrschule
  • Einstellungsgespräche/Personalgespräche
  • Elternabende
  • Gottesdienste
  • Trauungen
  • Trauerfeiern
  • Taufe/Konfirmation/Jugendweihe
  • Jubiläumsfeiern
  • Ehrungen
  • Betriebe (Versammlungen, Arbeitsplatzeinweisungen, Erprobung)
  • Deutsche Rentenversicherung (amtsärztliche Untersuchungen/Gutachten etc.)
  • Veranstaltungen/Behindertenverbände/Wohlfahrtsverbände
  • Vereine (Vorträge, Ausfahrten, Jubiläen, Ehrungen etc.)
  • Eröffnung von Gebärdensprachkursen
  • Sportverband etc.